Die traurige Tatsache, dass Diskriminierung in Deutschland keine Seltenheit ist, wurde von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes anhand einer aktuelle Studie nun nochmals bestätigt. Der Veröffentlichung lässt sich entnehmen, dass rund 31,4 Prozent der Befragten in den vergangenen zwei Jahren Diskriminierung in unterschiedlichster Art und Weise erlebt haben. Für die repräsentative Umfrage wurden seitens des Bielefelder Forschungsinstituts SOKO Institut für Sozialforschung und Kommunikation mehr als 1000 in Deutschland lebenden Menschen ab 14 Jahren für eine telefonische Befragung herangezogen. Der zweite Teil der Studie (der nicht repräsentative Teil) beinhaltet Erfahrungsberichte von circa 18.000 Betroffenen. Diese haben an einer schriftlichen Befragung teilgenommen und Angaben über selbst erlebte oder beobachtete Diskriminierungserfahrungen gemacht. Nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle handelt es sich hierbei um die umfangreichste Umfrage, die es in Deutschland jemals zum Thema Diskriminierung gegeben hat.

Gründe für Diskriminierung

Die Gründe für eine solche Erfahrung können ganz unterschiedlich ausfallen. So können Lebensalter, Herkunft, Religionszugehörigkeit oder die jeweilige Weltanschauung eine Rolle spielen. Viele Menschen werden auch wegen ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder einer Behinderung Opfer von Diskriminierung. Auffallend häufig wurden allerdings Benachteiligungen am Arbeitsplatz oder bei der Jobsuche genannt.

Gründe für Diskriminierung

Nun zu den Ergebnissen der Studie, die bemerkenswerte Zahlen ergab: So ist – neben Benachteiligung aufgrund der sozioökonomischen Lage – Geschlechterdiskriminierung in Deutschland nach wie vor ein großes Problem. Ganze 9,2 % der Teilnehmer schilderten negative Erfahrungen, die sie aufgrund ihres Geschlechts gemacht haben. Das ist fast jeder Zehnte in Deutschland! Vor allem Frauen brauchen starke Nerven – denn die würden mit diesem Problem fünf Mal so häufig konfrontiert wie Männer.

Die Anzahl der Menschen, die von Benachteiligungen im Job berichteten, war jedoch besonders hoch: Rund 48,9 %, also knapp die Hälfte aller Befragten in diesem Bereich, gaben an, bereits einmal im Arbeitsleben diskriminiert worden zu sein.

Doch es gibt auch positive Nachrichten: Immer mehr Menschen wehren sich gegen Diskriminierungen dieser Art. So haben etwa sechs von zehn Betroffene (59,6 Prozent) gegen die Diskriminierung etwas unternommen. Bereits 6 % hiervon haben offenbar sogar den gerichtlichen Weg in Kauf genommen.

Das Alter – Der häufigste Grund für Diskriminierungserfahrungen

Zudem ließ sich feststellen, dass die meisten Diskriminierungserfahrungen mit dem Lebensalter zusammenhängen. Rund 14,8 % der Befragten gaben an, dass sie schon einmal Benachteiligungen erfahren haben, die klar mit ihrem Alter in Verbindung standen.

Diskriminierung im Alter

Analysiert man das Alter als Diskriminierungsgrund genauer, stellt man fest, dass unter den 45 bis 59-jährigen bereits 11,2 % der Befragten aufgrund „zu hohen Alters“ diskriminiert wurden. Von den Studienteilnehmern ab 60 gaben sogar 15,3 % an, aus dem selben Grund schon einmal Benachteiligung erfahren zu haben. Ein Beispiel für Altersdiskriminierung ist der Versicherungsabschluss: Zum einen sind die Beitragszahlungen zur Krankenversicherung bei älteren Versicherungsnehmern deutlich teurer, zum anderen wird der Abschluss einer privaten Zusatzkrankenversicherung meist nur bis zum Alter von 65 oder 70 Jahren gewährt.

Rechte bei (Alters-)Diskriminierung

Nach wie vor ist (Alters-)Diskriminierung ein gesellschaftliches Tabuthema. Betroffene trauen sich häufig nicht, Familie, Freunden oder Bekannten von ihren negativen Erfahrungen zu erzählen, geschweige denn, sich aktiv Hilfe zu holen. Und das, obwohl es sich hierbei um ein Menschenrecht handelt.

„Diskriminierungen insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der eth­nischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung sind verboten.“

Von (Alters-)Diskriminierung betroffen – Was tun?

Sie haben schon einmal Erfahrungen mit (Alters-)Diskriminierung gemacht, wissen aber nicht, an wen Sie sich wenden sollen? In diesem Falle können Sie telefonisch oder schriftlich Kontakt zur Antidiskriminierungsstelle des Bundes aufnehmen! Hier bekommt man zunächst eine Erstberatung. Bei Bedarf werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie man sich als Betroffener rechtlich wehren kann. Außerdem gelangt man dort an Kontaktdaten von Experten, die in der Nähe des eigenen Wohnortes sitzen.

Postanschrift: Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Glinkastraße 24, 10117 Berlin
Besucheranschrift: Kapelle-Ufer 2, 10117 Berlin (hier finden Sie einen Lageplan) 

Beratungstelefon: 030/ 18 555 18 65
Servicetelefon: 030/ 18 555 18 55
Mo-Fr: 9:00 bis 12:00 und 13:00 bis 15:00 Uhr

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