Diskriminieren ist eine Schande. Unsere Gesellschaft wird sensibler dafür, was Diskriminierung anrichten kann und das ist gut so. Es gibt eine Antidiskriminierungsstelle des Bundes und ein Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. In erster Linie gibt es natürlich den Artikel 3 des Grundgesetzes:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Wenn gelegentlich im Übereifer unter dem Banner der Antidiskriminierung absurde oder komische Vorschläge gemacht werden ist das kein Argument für Diskriminierung. Besonderen Schutz vor Diskriminierung verdienen Eigenschaften, die unveränderbar sind (dazu zählt, mit Recht, auch die Religion).

Diskriminierung kann  die Form einer handfesten und persönlichen Benachteiligung nehmen (Jobangebot, Wohnungssuche) oder in einer allgemeinen Herabwürdigung bestehen. Letzteres ist oft besonders schwer zu fassen. Wird Frauen wirklich Gewalt angetan wenn man von „dem“ Handwerker spricht. Wie sieht es aus mit einem Holländerwitz unter Freunden? Neger und Zigeuner in älteren Kinderbüchern, muss man die umschreiben?

Für derartige Abwägungen gibt es kluge und spitzfindige Diskussionsbeiträge und vermutlich kommt es am Ende, wie so oft, drauf an.

Unstrittig ist dagegen offene und öffentlich geäußerte Verunglimpfung einer Gruppe von Menschen. Schwule sind krank, alle Flüchtlinge Sozialschmarotzer und Frauen nicht geeignet für Führungspositionen – solche Aussagen finden sich nur noch an den Rändern der Gesellschaft und jeder gute Journalist würde darüber zu Recht seinen Job verlieren.

Ganz anders sieht es mit der Altersdiskriminierung aus. Da darf ungehemmt polemisiert werden, man darf die Alten lächerlich machen, sprachlich und anderweitig ausgrenzen und mit allen Übeln dieser Welt gleichsetzen.

Ein besonders krasses Beispiel hat neulich der Verlegersohn Jakob Augstein in Spiegel Online abgeliefert. In einer Kolumne beklagt er den Mangel an Begrüßungskultur für Flüchtlinge und das klingt bei ihm so:

„Aber Deutschland braucht die Migranten nicht nur, weil die Kräfte der Wirtschaft erlahmen. Es erlahmen auch die der Kultur. Das Deutschland des Botho Strauß, in dem sich wohl auch die Strobls, Seehofers, Söders wohlfühlen würden, wäre eine Geisterbahn. Ein Land der Alten und Versehrten. Der Furchtsamen und Mutlosen.

Dieses Land sucht sein Heil nicht in der Zukunft, sondern in der Reha-Klinik. Es ringt nicht mehr mit dem Schicksal, sondern nur noch mit dem Rollator – wahlweise ausgerüstet mit Korb und Stockhalter oder mit gepolsterter Unterarmauflage. Die letzten Fragen drehen sich darum, ob man sich beim Treppenlift für den Sitz-, Plattform- oder Hublift entscheidet. Und der einzige Weg, um den es geht, ist der ins nächste Sanitätshaus.

Es gibt Vorstädte in München, Hamburg, Berlin, die lassen dieses kommende Leben erahnen: keine Ausländer, keine Kinder, aber dafür ganz viele faltige Deutsche in Jack-Wolfskin-Jacken.“

Schreiben Sie das doch mal um und wenden solche Sätze gegen eine beliebige andere gesellschaftliche Gruppe, das Ergebnis ist erschreckend.

Bei der Altersdiskriminierung gibt es allerdings einen fundamentalen Unterschied zu allen anderen Auswüchsen: auch Jakob Augstein wird, das wünschen wir ihm, ein hohes Alter erreichen. Er diskriminiert sich also in gewisser Weise auch selber und die Selbstdiskriminierung wiederum ist gesellschaftlich voll und ganz akzeptiert.

Aber es bleibt ein fader Beigeschmack. Ganz besonders wenn es von der Seite kommt, die bei moralischer Belehrung und Empörung immer ganz vorne dabei ist.

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