Etwa 54 Millionen Menschen in Deutschland haben laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) einen Führerschein, hiervon sind circa zwölf Millionen Menschen über 65 Jahre alt. Zwei Millionen der 75 bis 84-Jährigen besitzen gemäß dem DVR zumindest noch ein Auto. Da im Alter die Reaktionsfähigkeit, das Seh- und Hörvermögen und die Konzentration nachlassen können, wird immer wieder vermutet, dass ältere Autofahrer ein besonders hohes Risiko im Straßenverkehr darstellen.

Glaubt man einem Spiegel Artikel aus dem Jahr 2014, dann sind diese Vermutungen sogar berechtigt: Demzufolge verantworteten 54 Prozent aller im Jahr 2013 verursachten Unfälle Autofahrer im Alter zwischen 60 und 65 Jahren. Die 70- bis 75-Jährigen sollen sogar in rund 64 Prozent aller Fälle die Verursacher gewesen sein. Und nicht nur das: Das Unfallrisiko eines 80-Jährigen sei sogar ähnlich dem eines Fahranfängers. Ist man ab 70 also tatsächlich zu alt, um einen Führerschein besitzen zu dürfen? Anhand einer britischen Studie wurde nun erneut versucht, Antworten auf diese Frage zu finden.

Alt vs. Jung: Britische Studie deckt jetzt auf

Britische Forscher der Swansea University sind mit ihrer aktuellen Studie zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Hierfür haben die Alterswissenschaftler zahlreiche Daten basierend auf Verkehrsunfällen der letzten Jahre in Großbritannien ausgewertet: Herausgekommen ist, dass über 70-Jährige drei- bis viermal weniger Unfälle verursachen als 17- bis 21-jährige männliche Autofahrer. Neben der Tatsache, dass Menschen über 70 deutlich weniger Unfälle verursachen als bisher größtenteils vermutet, enden deren Unfälle im Vergleich zu anderen Altersgruppen überwiegend harmlos. Klare Unterschiede stellen die Forscher auch bei der Art der Unfälle fest: Während junge Erwachsene vor allem ihr Können am Steuer überschätzen und gerne das Tempolimit überschreiten, schätzen ältere Autofahrer oftmals ihre Möglichkeiten beim Überholen oder Abbiegen falsch ein. Älteren Autofahrern lässt sich demzufolge also nicht grundsätzlich eine risikoreichere Fahrweise unterstellen!

Führerschein im Alter: Wie regeln das eigentlich die anderen?

Wer in Deutschland einmal seinen Führerschein gemacht hat, der behält ihn solange, bis er ihn entweder aus freiem Willen abgibt oder zu viele Punkte in Flensburg gesammelt hat. Aber wie ist die Sachlage eigentlich in anderen Ländern? Außer in Deutschland, Frankreich, Österreich, Polen, Belgien und Bulgarien stehen bei der Mehrheit aller EU-Staaten verpflichtende Gesundheitschecks oder Fahrtrainings auf dem Programm. In Italien und Portugal wird beispielsweise schon ab einem Alter von 50 Jahren ein Gesundheitszeugnis verlangt, in den anderen EU-Ländern ist dies jedoch erst für 60-, 65- oder 70-Jährige notwendig. Die Liste der länderspezifischen Vorschriften ist lang. In Deutschland sind Überprüfungsmaßnahmen dieser Art jedenfalls in naher Zukunft nicht geplant – viele Menschen sind sogar der Meinung, altersabhängige Tests seien altersdiskriminierend.

Unsicher beim Autofahren? Es gibt Alternativen!

Unabhängig von gesetzlichen Vorschriften: Wer sich am Steuer nicht mehr sicher fühlt, sollte sich schnellstmöglich nach Alternativen umsehen. Eine möglichst realistische und vernünftige Einschätzung der eigenen Fahrtauglichkeit ist zwingend erforderlich, bei gesundheitlichen Einschränkungen sollte außerdem ein Arzt herangezogen werden. Ob öffentlicher Nahverkehr oder Fahrradfahren: Die Nutzung alternativer Fortbewegungsmittel kann viele Vorteile haben. Anhand eines individuell abgestimmten Fahrtrainings kann zudem die Sicherheit am Steuer gestärkt, Gefahren schneller erkannt und die Reaktionsfähigkeit trainiert werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein solches Training zu absolvieren. Hier einige Beispiele:

1„FahrFitnessCheck“ des ADAC

Der ADAC bietet den sogenannten freiwilligen „FahrFitnessCheck“ an. Dieser ist speziell auf ältere Menschen ausgerichtet, die noch regelmäßig am Steuer sitzen. Im Rahmen dieses Trainings wird eine Fahrprobe im eigenen Pkw absolviert, die von einem speziell qualifizierten ADAC-Fahrlehrer begleitet wird. Hierbei soll herausgefunden werden, in welchen Bereichen sich der Autofahrer verbessern kann.

2Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR)

Doch nicht nur der ADAC, auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) stellt mit „SHT sicher mobil“ ein Sicherheitstraining zur Verfügung, das auf die Bedürfnisse älterer PKW-Fahrer abgestimmt ist. Hierbei werden u. a. Fahrfertigkeiten, die besonders bei älteren Menschen nachlassen können, wieder aufgefrischt und trainiert.

3Fahrschulen

Auch Fahrschulen bieten Fahrtrainings für ältere Autofahrer an. Am besten man erkundigt sich vor Ort bei den jeweiligen Fahrschulen nach einem Fahrsicherheitstraining, das speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt ist.

4Landesverkehrswacht

Die Landesverkehrswacht Niedersachsen e.V. bietet neuerdings z. B. ein Fahrsicherheitstraining speziell für Menschen ab 65 Jahren an, die ihre eigene Fahrexpertise testen und zusammen mit Experten vor Ort hinterfragen möchten (Kosten: 30 € p. P.). Aber auch in allen anderen Bundesländern gibt es viele Angebote: Unter www.landesverkehrswacht.de findet man weitere Informationen.

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