Denkt man an seine schönsten Kindheitserinnerungen, sind sie ganz oft ein Teil davon: Die Großeltern. Die Abenteuerspaziergänge mit Opa, die (fast) unbegrenzte Fernseherlaubnis oder der heiße Kakao vor dem Schlafengehen – Viele Rituale bleiben einfach unvergessen! Großeltern sind zwar oft wichtige Bezugspersonen, gleichzeitig aber haben sie keine Erziehungsfunktion. So müssen sie also nicht auf die Einhaltung von Regeln bestehen, stattdessen können sie verständnisvoller Zuhörer und Ratgeber sein. So sehr jedoch oft kleine Kinder an ihren Großeltern hängen und sich auf die gemeinsamen Wochenenden freuen, so stark wenden sich viele pubertierende Jugendliche später für einen gewissen Zeitraum von ihnen ab. Aber auch der Studien- oder Ausbildungsbeginn und der damit verbundene Wohnortwechsel kann ein zusätzlicher Auslöser für die seltene Kontaktaufnahme der Enkel sein. Wie also mit dieser Umstellung umgehen?

Ab 9 oder 10 Jahren setzt bei Kindern bereits der Abnabelungsprozess ein

Laut Roswitha Sommer-Himmel, Professorin für Erziehung und Bildung im Kindesalter, setzt der Abnabelungsprozess bei Kindern ungefähr ab einem Alter von neun oder zehn Jahren ein. Dies stellt eine sehr wichtige Phase in der Kindheit dar. Gleichaltrige Freunde (sog. „peer groups„) und andere Freizeitaktivitäten gewinnen in dieser Zeit für die Heranwachsenden zunehmend an Bedeutung. Und ganz plötzlich empfinden die Enkel den Besuch bei den Großeltern eher als lästigen Pflichttermin. Denn eigentlich warten an diesem Tag doch die Freunde, das Fußballspiel oder sonstige Termine auf sie. Dies ist natürlich meist nur eine Phase, die es zu überstehen gilt. Sobald die Enkelkinder das junge Erwachsenenalter erreichen, suchen die meisten von ihnen wieder den regelmäßigen Kontakt zu Oma und Opa. Trotzdem nehmen sich viele Großmütter und Großväter den mangelnden Kontakt zu Herzen, für einige stellt diese Durststrecke sogar eine sehr belastende Situation dar. Was also kann man tun, um diese Zeit gut zu überbrücken und die Beziehung zu den Enkeln trotzdem dauerhaft aufrechtzuerhalten?

Wege und Möglichkeiten, wie die Beziehung zu den Enkeln dauerhaft stabil bleibt

1. Nicht aufdrängen

Ein Punkt, der von besonders großer Wichtigkeit ist: Man sollte seine Enkelkinder nicht zu einem Treffen oder Telefonat drängen. Gerade während des Abnabelungsprozesses oder auch in der Pubertätsphase ist es wichtig, den Heranwachsenden genügend Freiräume zu gewähren. Eine andauernde Kontaktaufnahme oder ständige Besuchsanfragen könnten dazu führen, dass sich die Enkelkinder erst recht zurückziehen. Auch auf alte Gewohnheiten, wie beispielsweise regelmäßige Besuche zu einer ganz bestimmten Ferienzeit, sollte nicht zwingend weiterhin beharrt werden. Hier gilt: Geduld bewahren!

2. Treffen attraktiv gestalten

Empfehlenswert ist auch, dass man sich vor geplanten Treffen ein kleines Programm überlegt. Natürlich heißt das nicht, dass man die Enkelkinder zwingend durchgängig bespaßen muss. Aber ein netter Spieleabend mit unterhaltsamen Spielen oder auch ein gemeinsames Lieblingsessen, das an alte Kindheitstage erinnert, kann durchaus die Enkel zu einem Besuch motivieren.

3. Gemeinsame Hobbys ausüben

Etwas, das Enkel und Großeltern besonders zusammenschweißen kann, ist das Ausüben eines gemeinsamen Hobbys. Egal ob zusammen angeln gehen oder der gleichen Sammlerleidenschaft folgen: Es gibt vieles, was gemeinsam einfach noch mehr Spaß macht! Von Vorteil ist auch, dass die Großeltern von heute oft fitter sind als früher. Wenn das Enkelkind Tag und Nacht auf dem Fußballplatz steht, muss sich der Großvater natürlich trotzdem nicht unbedingt sofort in seinen Trainingsanzug werfen. Aber er kann zum nächsten Fußballspiel des Enkels erscheinen und ihn anfeuern.

4. Geschichten von früher erzählen

Die alten Geschichten aus vergangen Zeiten können für Kinder und Jugendliche äußerst spannend sein. Wenn sie dann auch noch von Oma oder Opa in gemütlicher Runde bei Oma’s leckerem Kuchen erzählt werden und dabei in alten Fotoalben gestöbert werden darf, dann kann das für Kinder zu einem sehr interessanten Erlebnis werden. Und zusätzlich wird auch noch ein Stück der Familiengeschichte weitergegeben. Ein weiterer Tipp: Die Geschichten können auch zusammen mit den Enkeln aufgeschrieben werden, sodass sie nie mehr in Vergessenheit geraten. Als Gedankenanstoß eignen sich auch wunderbar die schönen Erinnerungsbücher „Oma, erzähl mal!“ oder auch „Opa, erzähl mal!“ zum (gemeinsamen) Ausfüllen (14,99 € bei selbstwohnen).

5. Über die Interessen der Enkel informieren

Gerade in der Zeit der Pubertät verändern sich die Interessen der Enkelkinder oftmals plötzlich so stark, dass gemeinsame Gesprächsthemen schwer zu finden sind. Auch wenn das Enkelkind seinen Großeltern von sich aus über Erlebnisse, den neuen Lieblingssänger oder neue technische Errungenschaften berichtet, verstehen Oma und Opa häufig nur Bahnhof. Durch Gespräche mit den Eltern kann diesem Verständnisproblem ganz einfach entgegengewirkt werden. So können sich Großeltern bei ihren Kindern informieren, was das Enkelkind momentan beispielsweise für Musik hört, oder welche Bücher es gerne liest. Aber auch die Medien halten über vieles auf dem Laufenden. Denn wenn die Enkel merken, dass Oma und Opa nicht „hinterm Mond leben“, kommen viele auch in der Pubertät hin und wieder gerne einmal zum Plaudern vorbei.

6. Neue Kommunikationsformen für Austausch nutzen

Heutzutage ist die Kommunikation über Mobiltelefone und soziale Netzwerke nicht mehr wegzudenken. Der Austausch über mobile Nachrichtendienste wie beispielsweise WhatsApp ist für junge Menschen (und auch immer öfter für Ältere) zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Auch für Großeltern kann es daher hilfreich sein, sich mit diesen neuen Kommunikationsformen vertraut zu machen. Denn gerade wenn die Treffen seltener werden, kann die Verbindung zu den Enkeln auf diese Art und Weise lebendig gehalten werden. Oder die Enkelkinder führen ihre Großeltern an die neue Technologie heran. Denn auch das kann eine schöne gemeinsame Beschäftigung darstellen.

Sie möchten ebenfalls mit Ihren Enkelkindern über mobile Apps kommunizieren? Hier finden Sie die Erklärung, was Apps überhaupt sind, was Sie bei der Nutzung beachten sollten und gängige Apps, die auch für ältere Menschen nützlich sein können (u.a. WhatsApp). Außerdem erfahren Sie hier, wie Sie Fotos per E-Mail verschicken.

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