„Man lernt nie aus!“

Ein Satz, der auch von Franz-Josef Mittnacht stammen könnte. Der 86-Jährige ist einer der ältesten Studenten Deutschlands. Er studiert Mittelalterliche Geschichte an der Universität Duisburg-Essen: „Mit 90 will ich meine Promotion in der Tasche haben“, sagt Mittnacht, so zumindest zitiert ihn der Spiegel. Den persönlichen und geistigen Horizont kann man jeden Tag aufs Neue erweitern und dabei immer wieder neue Wissensfelder erschließen. Warum den eigenen Wissensdurst auch nur anhand von Büchern, kulturellen Unternehmungen oder durch das Verfolgen aktueller Nachrichten stillen? Gerade Menschen im Ruhestand sehnen sich häufig nach neuen intellektuellen Herausforderungen. In körperlicher oder in geistiger Hinsicht sind die heute 60, 70 und 80-Jährigen oftmals fit wie nie zuvor: Sie laufen nicht nur leidenschaftlich gerne Marathon oder legen weite Strecken mit ihrem Rennrad zurück, viele arbeiten sogar immer noch erfolgreich in ihrem Beruf oder beraten ehrenamtlich als Senior-Experte Unternehmen mit ihrem Fachwissen. Ein Leben, das sich zuhause vor dem Fernseher abspielt, kommt für viele einfach nicht in Frage.

Unterschied zwischen Seniorenstudium und regulärem Studium

Das Seniorenstudium kann für Menschen, die sich auch in einem höheren Lebensabschnitt noch weiter bilden möchten, die Lösung sein: Es bietet die Möglichkeit, unverbindlich und ganz den eigenen Interessen gemäß an einer Universität oder Fachhochschule bestimmte Lehrveranstaltungen auszuwählen und sich dadurch nochmals auf einem speziellen Gebiet schlau zu machen. Dabei unterscheidet es sich vom regulären Studium allerdings in einigen Bereichen:

1Der spezielle Gasthörer-Status

Ein Seniorenstudium absolviert man naturgemäß als Gasthörer. Somit erfolgt auch der Besuch von Übungsstunden oder Vorlesungen auf freiwilliger Basis. Auch Prüfungen müssen in der Regel nicht abgelegt werden. Das Studium dient lediglich der zielgerichteten Wissensaufnahme und nicht dazu, am Ende einen Leistungsnachweis zu erzielen – auch wenn manche Universitäten den Erwerb spezieller Abschlüsse oder Zertifikate anbieten.

2Registrierung statt Immatrikulation

Eine Immatrikulation in einen bestimmten Studiengang erfolgt meist nicht. Im Hinblick auf die Gasthörerschaft wird lediglich eine Registrierung vorgenommen, diese ist überwiegend kostenpflichtig. Die Kosten können bei der jeweiligen Universität erfragt werden.

3Abitur nicht immer Zugangsvoraussetzung

Um für ein Seniorenstudium zugelassen zu werden, benötigt man bei den meisten Universitäten und Fachhochschulen nicht zwingend die Allgemeine Hochschulreife. Mitzubringen sind häufig stattdessen der Mittlere Schulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung mit mehrjähriger Berufserfahrung, die dann bestenfalls im Zusammenhang mit dem gewählten Studienfach stehen sollte. Es gibt aber auch Ausnahmen: Bei der LMU München ist das Abitur zum Beispiel erforderlich.

Wo kann ich ein Seniorenstudium absolvieren?

An Anbietern mangelt es nicht: Schon mehr als 50 Universitäten bzw. Fachhochschulen bieten spezielle Studiengänge für Menschen höheren Alters an. Hier gilt es allerdings zu beachten, dass sich die Studienangebote in ihrem Aufbau und ihrer Organisation von Hochschule zu Hochschule unterscheiden. Manche bieten zum Beispiel kein eigenes Seniorenstudium an, dafür aber oftmals die Option, trotzdem als Gasthörer an bestimmten regulären Veranstaltungen teilnehmen. Einen schönen Überblick über deutschlandweite Anbieter findet sich auf der Seite des AVDS – Akademischer Verein der Senioren in Deutschland. Mit dem AVDS-Studienführer soll Licht in’s Dunkle gebracht und die Wahl eines passenden Studiums erleichtert werden. Außerdem findet man viele wichtige Ansprechpartner und Adressen (60 Seiten für 15,90 € + 3,00 € Versand).

Seniorenstudium an der LMU München: Ein Beispielprojekt

Zum Anlass des Gedenkjahres 2014/15 ist in den Kursen des Seniorenstudiums der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Autobiografischen Schreiben ein ganz besonders interessantes Projekt entstanden: „Gerettete Erinnerung“, ein Buch mit autobiografischen Texten zum Thema Kriegs- und Nachkriegskindheit. Der Sammelband enthält 7 Kapitel mit insgesamt 34 Texten. Darin zu finden sind die persönlichen Erinnerungen der Kriegs- und Nachkriegskinder sowie deren psychischen, familiären und gesellschaftlichen Spätfolgen und die der nachfolgenden Generationen. Zudem ist jedem Kapitel eine Zeichnung beigefügt, welche zu diesem Thema jeweils von Seniorenstudenten aus den Kursen von Sybille Schardey zur Verfügung gestellt wurden (über den Buchhandel unter der ISBN-Nummer 9783739229423 oder über das Zentrum Seniorenstudium zu erwerben; Preis 12,80 €).

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