Wer denkt, der Spazier- oder Gehstock ist nur eine Gehhilfe im Alltag, der täuscht sich gewaltig. Die Zeiten, als ein Gehstock meilenweit von schönem und durchdachtem Design entfernt war und im Grunde nur seinen Dienst als Gehhilfe ableistete, sind längst vorbei. Gehstöcke gibt es inzwischen in vielen Farben und Stilrichtungen, es gibt sie in Form von Regenschirmen und als moderne, faltbare Variante, die schnell in der Handtasche verschwinden kann. Und der Gehstock kann noch etwas: Er kann den Träger zu einem wahren Kampfhelden in bedrohlichen Situationen machen. Als Waffe (natürlich nur für die Selbstverteidigung aber das versteht sich ja von selbst) eignet er sich aufgrund seiner Beschaffenheit nämlich hervorragend.

„Cane-Fu“ – Kampfkunst mit dem Gehstock

„Cane-Fu“ – Unter dieser Bezeichnung geht der neue Trend um die Welt. Hierbei handelt es sich um eine spielerische Ableitung des Wortes „Kung-Fu“, das wiederum für asiatische Kampfkünste steht. Ja, auch uns kam der Begriff irgendwie bekannt vor. „Cane“ ist englisch und bedeutet Geh- oder Spazierstock. Falls sich also Ihr hochbetagter Nachbar in letzter Zeit ungewöhnlich oft im Garten aufhält und seltsame Sprünge in Verbindung mit noch seltsameren Schreien ausführt, dann können wir Sie beruhigen. Vermutlich ist er einfach nur in Kontakt mit Cane-Fu gekommen und auch noch fest überzeugt von dem altbekannten Spruch: „Übung macht den Meister“. In diesem Fall können wir Ihrem Nachbarn nur zustimmen, denn Selbstverteidigung mit dem Gehstock kann man tatsächlich lernen. Um kuriose Situationen zu vermeiden, ist ein professioneller Kurs wahrscheinlich sogar zu empfehlen. Sie sind stolzer Besitzer eines Gehstocks und möchten ebenfalls Profi werden? Dann widmen Sie nun Ihre ganze Aufmerksamkeit den nächsten Zeilen.

Wie funktioniert Cane-Fu?

Es ist ja glücklicherweise so, dass wir uns auf einem äußerst schönen und vergleichsweise vor allem sicheren Fleckchen der Erde befinden. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir überfallen werden, wenn wir uns auf der Straße bewegen, ist sehr gering. Trotzdem kann es nicht schaden, wenn man sich im Fall der Fälle selbstständig und effektiv wehren kann. Ein Gehstock im Gepäck, der in bedrohlichen Situationen gekonnt zum Einsatz gebracht werden kann, verhilft uns zu einer Extraportion Selbstsicherheit und lässt uns nicht schon im Vorhinein zum Opfer werden.

Um Cane-Fu ausführen zu können, benötigt man keinerlei Vorbildung, außer, dass der grundsätzliche Umgang mit Konfliktsituationen besprochen werden sollte. Zusätzlich muss man nur einen Gehstock oder einen Regenschirm mitbringen. Zunächst werden Übungen zum Auflockern und Aufwärmen durchgeführt, um Verspannungen oder Zerrungen zu vermeiden. Anschließend wird u. a. erlernt, wie man den Stock möglichst kraftvoll einsetzen und einen effektiven Schlag durchführen kann, ohne nur ziellos um sich zu „prügeln“. Hierbei werden die Muskeln von Händen, Armen und Schultern zielgerichtet eingesetzt. Der Fokus liegt aber immer auf dem gemeinsamen Lernen. Man tritt nicht gegeneinander an und trägt keine Kämpfe aus. Es gibt keine Gewinner oder Verlierer. Die Fitness soll zwar gestärkt werden, aber es wird keine starke Ausdauer oder Belastbarkeit vorausgesetzt.

Wo kann man Cane-Fu lernen?

Leider ist Selbstverteidigung mit dem Gehstock in Deutschland noch nicht allzu weit verbreitet. Und das, obwohl sich der Gehstock als Instrument zur Selbstverteidigung wunderbar eignet. In vielen Bereichen der Erde findet man Stocktraditionen: So gibt es die Kobudo (Bauernwaffen)-Künste in Asien oder den 1-Meter-Stock (genannt „Hanbo“) in Japan. Auch in England, Irland und Frankreich gibt es Spazierstockfechten. Doch in Deutschland sucht man noch vergeblich. In den USA sieht es da schon anders aus. Cane-Fu zählt dort zum Fitnessbereich und breitet sich immer mehr aus. Bei unserer Recherche sind wir zumindest auf diese Möglichkeiten gestoßen:

1Dr. Jan Fitzner – Cane-Fu-Lehrer

Einer dieser Cane-Fu-Lehrer ist Dr. Jan Fitzner, ein niedergelassender Arzt (Facharzt für Allgemeinmedizin) aus Wendlingen bei Stuttgart. Der 61-Jährige unterrichtet in seiner Freizeit Cane-Fu. Auf seiner Seite schreibt er: „Ich habe täglichen Kontakt zu alten Menschen, betreue Altenheime, kenne einige Formen von Seniorengymnastik und Sturzprophylaxe-Übungen und bin der Meinung, diese dürften gern allemal etwas bunter und fröhlicher ausfallen. Und hier, beim Fröhlichen, nicht beim Trockenen oder Verbissenen, setzen wir beim Cane-Fu an. Es soll unterhaltsam sein, es soll Vergnügen bereiten, aber dennoch nicht hohle Comedy sein, sondern es soll einen tieferen Sinn haben, nämlich Gymnastik und Selbstverteidigung.“

2DVD: Selbstverteidigung mit Spazierstock

Man kann Selbstverteidigung mit dem Gehstock aber auch auf eigene Faust lernen. Hierfür gibt es z. B. eine DVD namens „Selbstverteidigung mit Spazierstock und Stock“ (19,99 € zzgl. Versand). Mithilfe dieser DVD können Sie zahlreiche Verteidigungstechniken mit dem Spazierstock erlernen. Das Niveau wurde so ausgerichtet, dass auch Anfänger die Übungen schnell und unproblematisch durchführen können.

3Erkundigen Sie sich in Ihrem Wohnort

Ob in den örtlichen Sportvereinen, in Kampfsport-Schulen (z. B. Taekwondo) oder bei der VHS in Ihrer Nähe: Es gibt verschiedene Adressen, die Selbstverteidigungskurse anbieten. Rufen Sie am besten einfach einmal dort an und erkundigen sich, ob auch Selbstverteidigungskurse mit dem (Geh-)stock angeboten werden.

Ihnen fehlt noch der passende Gehstock oder Regenschirm zur Selbstverteidigung? Bei selbstwohnen werden Sie bestimmt fündig!

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