Das Thema „Resilienz“, einfach übersetzt mit „innere Stärke“ wird zur Zeit vielfach diskutiert. Verschiedene Zeitschriften (u.a.. viva und Madame) haben in einer ihrer letzten Ausgaben darüber berichtet, es erschienen in den letzten Monaten zahlreiche Bücher zu dem Thema, in Onlineforen (u.a. auf faznet und zeit.de) und auch in Talkshows (z.B. auf 3SAT bei Gert Scobel –  Was die Seele stark macht?) wird darüber diskutiert. Was genau bedeutet eigentlich Resilienz? Warum beschäftigt das Thema so viele in der letzten Zeit? Und welche Verbindung besteht zwischen der Resilienz und dem Älterwerden?

Was ist Resilienz?

Resilienz kommt vom lateinischen resilire, zurückspringen oder abprallen. Es bedeutet seelische Kraft, innere Stärke, psychische Widerstandsfähigkeit, die Fähigkeit, auch Krisen zu bewältigen oder sie sogar für positive persönliche Entwicklungen zu nutzen. Früher dachte man, dass diese Fähigkeit zum einen Teil genetisch bedingt ist und zum anderen Teil in der frühen Kindheit festgelegt wird. Neuere Forschungen haben nun gezeigt, dass man auch im Erwachsenenalter noch an seiner eigenen Resilienz arbeiten kann, dass es nie zu spät ist, die eigene Resilienz zu trainieren und  zu stärken. Resilienz ist also bis ins hohe Alter lernbar.

Resilienz ist nicht nur bei der Bewältigung von persönlichen Krisen notwendig, Resilienz trägt grundsätzlich zu einem gelingenden Leben und auch einem gelingenden Altern bei. Gerade in Zeiten, in denen vermehrt psychische Leiden wie Depression oder Burn-Out auftreten, ist die eigene Resilienz, verstanden als „psychische Widerstandskraft“ (vgl. auch den Titel des Buches von Christina Berndt, das sieben Wochen die Spiegel-Bestseller-Liste anführte) ein Thema, das viele Menschen interessiert. So schreibt Berndt auch im Untertitel zu ihrem Buch „Was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burn-Out“ und hat damit offenbar viele Leser angesprochen.

Die eigene Resilienz testen

Zahlreiche psychologische Tests im Internet geben uns erste Hinweise auf die Ausprägung unserer persönlichen seelischen Belastbarkeit. So wird z.B. unter http://www.madame.de/resilienz-794503.html mit acht kurzen Fragen, die die Einstellung zu Themenbereichen wie „Vertrauen Sie sich selbst?“ oder „Tragen Sie die Welt allein auf Ihren Schultern?“ abfragen, die Stärke der eigenen „seelischen Abwehrkräfte“ getestet. Wichtig für die Resilienz sind demnach die Fähigkeit, die eigenen Emotionen und Handlungen zu kontrollieren und eine ausgeprägte Problemlösungsorientierung statt einer Problemfixiertheit.

Die eigene Resilienz stärken – in jedem Lebensalter

Die Psychologie hat herausgefunden, dass insbesondere solche Menschen sich als besonders resilient erweisen, die eher kollektivistisch als individualistisch orientiert sind, also einen starken Zusammenhalt mit anderen pflegen und starke Werte vertreten, die auch in der entsprechenden Gruppe geteilt werden. Dies kann die Familie sein, aber auch der Freundeskreis, ein Verein, eine  aktive Gruppe Gleichgesinnter.

Die seelische Widerstandskraft ist nicht naturgegeben, jeder kann an ihr arbeiten, in jedem Alter. Ein wichtiger Schritt zu mehr Resilienz ist dabei die Selbstreflexion, das Nachdenken über das eigene Leben, das eigene Ich. Zum Beispiel wird von Psychologen empfohlen, über Herausforderungen im eigenen Leben nachzudenken, die man bereits bewältigt hat. Dadurch wird man sich der eigenen seelischen Ressourcen bewusst, die man dann auch bei künftigen Krisen wieder abrufen kann.

Nicht nur die seelische Widerstandskraft sondern insgesamt die eigene Persönlichkeit kann man in allen Lebensphasen und insbesondere auch noch im höheren Alter weiterentwickeln. Tatsächlich scheint das höhere Alter besonders sensibel für solche Veränderungen zu sein, so dass „selbstinitiierte Veränderungen der Persönlichkeit dann besonders vielversprechend sind“ (vgl. http://www.programm-altersbilder.de/aktionen/persoenlichkeitsentwicklung-im-hohen-alter-interview-mit-juniorprofessorin-jule-specht.html). Forschungsergebnisse zeigen lt. Prof. Specht, dass „unsere Persönlichkeit nicht in Stein gemeißelt ist, wir uns also über die gesamte Lebensspanne verändern können. Das ist sowohl für jeden Einzelnen von uns bedeutsam, als auch für gesellschaftliche Herausforderungen, wie beispielsweise die Frage danach, wie man erfolgreich altert.“

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