Das Wort ist in aller Munde, jeder benutzt es in den verschiedensten Zusammenhängen und Situationen: Der Begriff Stress verpackt viele verschiedene, meist negative Gefühlszustände kurz, knapp und für jeden verständlich in nur ein einziges Wort. Fragen Sie doch einmal ganz bewusst Menschen in Ihrem Umfeld nach deren momentanen Gemütszustand. Sie werden schnell feststellen, dass Aussagen wie „Es ist momentan viel los, ich bin einfach nur gestresst!“ an der Tagesordnung sind. Mit dem Wort wird nicht gespart, es wird wild herumgeworfen und dabei glaubt jeder zu wissen, wie er sich anfühlt, dieser Stress. Der Begriff ist überwiegend mit einer negativen Konnotation verbunden, trotzdem ist die Wahrnehmung von Stress subjektiv. Denn gestresst zu sein bedeutet nicht immer automatisch etwas negatives und fühlt sich auch nicht für jeden gleich an. Doch was sagen eigentlich die Psychologen dazu?

Eustress, Distress und Stressoren

In psychologischer Hinsicht wird klar unterschieden: Es gibt „Eustress“, das ist sozusagen „guter Stress“. Er kann dabei helfen, individuelle Ressourcen zu mobilisieren und Motivation anzukurbeln, um bestimmte Ziele schneller zu erreichen. „Distress“, oder auch „schlechter Stress“ ist meist ein als unangenehm oder bedrohlich empfundener Zustand. Und dann gibt es da noch die sogenannten „Stressoren“: In der Psychologie versteht man darunter die äußerlichen Einflüsse, die den Organismus in einen Zustand erhöhter Alarmbereitschaft (und somit in Stress) versetzen. Hierzu können tägliche Ereignisse zählen, wie beispielsweise schwierige Beziehungen zu anderen Menschen oder eine hohe Arbeitsbelastung. Treten sie auf, nimmt die Produktion von Hormonen, wie z. B. Adrenalin und Kortisol zu und auch der Blutdruck steigt. Unsere Vorfahren nutzten dies als Schutz, sozusagen als Überlebensvorteil, um in Gefahrensituationen wach, aufmerksam und wenn nötig auch kampfbereit zu sein.

Mehr Stress im Alter?

Manche Menschen reagieren stärker auf Stress und andere nehmen ihn gelassener auf. Aber inwiefern spielt das Alter dabei eine Rolle? Könnte es sein, dass wir mit steigendem Alter besser mit schwierigen Situationen und negativen Belastungen umzugehen wissen? Auf der Suche nach Antworten, wurden gemäß eines Artikels der Universität Zürich verschiedene Studien durchgeführt. Hierfür wurden Erwachsene täglich mehrfach Fragen zu ihrer Stimmung und zu ihrer Stressbelastung gestellt. Die Wissenschafter wollten herausfinden, wie stark die Stimmung der Personen durch stressige Erlebnisse und Ereignisse beeinflusst wurde. Um festzustellen, ob sich diese Eigenschaft im Laufe des Lebens verändert, wurden die gleichen Personen in größeren zeitlichen Abständen einer erneuten Befragung unterzogen. Die Wissenschaftler kamen anhand dieser Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die durchschnittliche Reaktion auf Stress mit dem Alter zunimmt.

Wie stark oder schwach eine Person individuell auf Stress reagiert, bleibt allerdings über Jahre hinweg stabil. Wie sehr jemand davon betroffen ist, hängt also auch im Alter von der jeweiligen Person ab und davon, wie sie allgemein mit Belastungen umgehen kann.

Im Alter erholt man sich schneller vom Stress

Es gibt allerdings auch eine gute Nachricht: Denn scheinbar verbessert sich mit zunehmendem Alter auch die Resilienz, also die Fähigkeit, in schwierigen Lebenssituationen eine seelische Stabilität aufzuweisen. Dies haben Forscher der Universitäten Heidelberg und Colorado herausgefunden, indem sie knapp 300 Menschen zwischen 18 und 90 Jahren einer Untersuchung unterzogen haben. Bei den Probanden wurde jeden Tag das jeweilige Stresslevel gemessen. Außerdem wurde parallel analysiert, welchen Belastungen die Teilnehmer jeweils ausgesetzt waren. Die Messungen wurden über 30 Tage hinweg vorgenommen. Die Ergebnisse zeigten, dass sich ältere Teilnehmer von langanhaltenden Stressphasen schneller erholten als ihre jüngeren „Mitstreiter“. Daraus folgerten die Autoren schließlich, dass die Selbstregulierungsfähigkeit beim Menschen im Alter steigt.

Körperliche und psychische Auswirkungen von Stress

Jeder hat einmal Stress, egal ob nun negativen oder positiven. Sobald dieser Zustand jedoch überhand nimmt, sollte man dringend etwas verändern! Denn besteht eine Stresssituation über einen längeren Zeitraum, kann dies negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Stress kann der Auslöser verschiedener Symptome sein: So kann er sich beispielsweise in Form von Anspannung, Reizbarkeit, Angstzuständen, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen bemerkbar machen. Laut dem American Institute of Stress kann das vermehrte Auftreten von Stress und der damit einhergehenden Ausschüttung bestimmter Hormone zu einer Vielzahl von anderen gesundheitlichen Problemen führen. Das Immunsystem wird beeinträchtigt, man ist anfälliger für Erkältungen und für andere Viren, auch das Risiko für Herz-Kreislauf- und Autoimmunerkrankungen kann steigen. Körperliche Beschwerden, wie z.B. Hauterkrankungen können ebenfalls zunehmen.

Einfache Tipps, wie man Stress senken kann

Wenn der Stress auf „normale“ alltägliche Belastungen zurückzuführen ist, kann dessen gezielte Vorbeugung tatsächlich häufig ganz einfach sein: Oftmals hilft schon ausreichender und guter Schlaf, viel Bewegung an der frischen Luft sowie eine gesunde Ernährung. Und ganz wichtig: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für sich selbst und für regelmäßige Ruhepausen! Faktoren, die ebenfalls Stress entgegenwirken können, sind optimistisches Denken, der Erhalt eines stabilen sozialen Umfeldes und vor allem der Glaube an sich selbst – denn wer der Meinung ist, dass er aktiv auf das eigene Leben Einfluss nehmen kann, ist besser in der Lage, mit Stresssituationen umzugehen.

1 Kommentar

  1. Ein kleiner probater Tipp für die, die immer unter Dampf sind und sich von außen bestimmt fühlen:
    Man nehme -wie zu Schulzeiten- einen Stundenplan in form einer Exeltabelle, beginnend mit der Uhrzeit des Aufstehens und schließend mit der Uhrzeit des Zubettgehens. Diesen „Stundenplan“ führen Sie am besten an 7 Tagen pro Woche und einen ganzen Monat lang. (Sonntag bis Samstag). Revidieren Sie einmal pro „Halbtag“, was Sie in den letzten 6 Stunden gemacht haben. Notieren Sie wirklich alles: Arbeitsphasen wie Meetings, Personalgespräch, Partnerfrühstück, Einkaufen, Budget erstellen, mit Kunden verhandeln, Störungen durch Chef, Mitarbeiter….Familie.., Freizeit: Joggen, Schwimmen, Walken, Essen mit der Familie, Essen in der Kantine, Durchschnauf-Pause, Fahrt vom und zum Büro… Wirklich alles. Jeden Tag, 7 Tage lang für eine Woche und 28 Tage für einen Monat. Dann schauen Sie mal intensiv -mit viel Ruhe- durch den Stundenplan und markieren alle häufig wiederkehrenden als Stress entlarvte Notizen mit einer Farbe (rot): z.B. Mitarbeiter kommt ständig ins Büro und unterbricht… oder gähnend langweiliges Meeting X….oder Streit mit Kollegin….. Dann markieren Sie alle häufig wiederkehrenden „Lustmomente“ z.B. Kinder ins Bett bringen, mit Partner auf dem Sofa…., um den See joggen…. und markieren diese in grün. Schauen Sie einfach mal am Ende des Monats nach den roten Markierungen. Sie können diese nun von 1-10 (wenig berührend bis total fertigmachend) bewerten. Ziehen Sie am Ende der Bewertung alle „größer 8“ Störfaktoren heraus und ersinnen einen Plan, wie Sie die erlebte Belastung von größer 8 auf z.B. kleiner 7, 6…reduzieren können. So verfahren Sie nach Belieben auch mit den 8ern, 7ern, all den Positionen, die Ihnen das Leben schwer machen. Belohnen Sie sich mit jeweils einem „Lieblings-Bonbon“, was Freude macht, z.B. Kinoabend mit Partner, schick Essen gehen….freier Abend nur für Sie…., wenn Sie den jeweiligen wiederkehrenden Stressfaktor für einen Monat um jeweils zwei Punkte gesenkt haben. Sie werden Augen machen, was Sie für sich an Lebensqualität herausholen können, einfach so, ohne größere Kraftakte. Irrtum, falls Sie denken, bow äh, das ist ja zusätzlicher Stress. Es ist lediglich zweimal pro Tag ein Innehalten, Revue passieren lassen, was Sie so treiben, oder wer oder was Sie so antreibt. Machen!
    viel Glück!

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