Steinalt werden und dabei kerngesund bleiben – geht das überhaupt? Auf diese Frage hätten sicherlich viele von uns gerne eine Antwort. Wie ist es möglich, den 100. Geburtstag zu erreichen? Schaut man nach Sardinien, Kalifornien oder Japan, fällt einem auf, dass dort auffallend viele Menschen leben, die einen sehr hohen Lebensabschnitt erreicht haben – und dabei überwiegend gesund sind. Es finden sich Dörfer, in denen beeindruckend viele alte Menschen ihr Leben verbringen und dabei mit einer scheinbaren Leichtigkeit die 100 überschreiten. So beispielsweise auch auf der japanischen Insel Okinawa, auf der mehr 100-Jährige als irgendwo sonst auf dieser Welt leben. Nur Zufall? Auch auf dem Eiland im Pazifik gibt es beeindruckend viele Menschen, die sich gut und gerne als steinalt bezeichnen können. Aber wie lautet ihr Jungbrunnen-Geheimnis?

Nichtstun gibt es nicht!

Zumindest einen Anhaltspunkt haben wir: Nichtstun gibt es nicht. Man geht nicht einfach in Rente, in Pension oder setzt sich in sonst einer Form nieder. Die Bewohner sind immer irgendwie beschäftigt und wenn nicht, dann wird das eben schleunigst geändert. Der Fisch, der gefangen wurde, muss anschließend zubereitetet werden, danach wartet die Wäsche auf ihren Waschgang. Auch das Haus sehnt sich nach einem Frühjahrsputz. Neben der regelmäßigen Arbeit rund um Haus und Hof, müssen Tiere versorgt und das Ackerland gepflegt werden. So gibt es immer etwas zu tun, jeder ist in irgendeiner Form regelmäßig in Bewegung. Zu dem Punkt der andauernden Beschäftigung zählt aber nicht nur die Arbeit. Auch körperliche Bewegung in Form von Sport, wie z. B. lange Bergtouren in der Natur stehen auf dem Programm.

Über 740 Menschen sind über 100 Jahre alt

1,3 Millionen Menschen bewohnen die Insel Okinawa, davon sind ganze 740 über 100 Jahre alt. Es gibt nur eine schlechte Nachricht für Männer: 90 Prozent davon sind Frauen. Auch in Valcabamba, einem Dorf in Ecudador, finden sich viele hochbetagte Menschen. Eine eindeutige Erklärung gibt es hierfür bislang nicht. Nur eine passende Bezeichnung wurde gefunden: Das Tal der 100-Jährigen. Und dann gibt es da noch Campodimele. Das Dorf liegt in den Aurunci-Bergen und hat ganz offensichtlich eine andere Zeitrechnung. Wenn man das hohe Alter meiden möchte, sollte man diesem Dorf lieber fern bleiben. Denn die Bewohner haben durchschnittlich eine 30 Jahre längere Lebenszeit als der Rest des Landes. Neben einer bewussten und ausgewogenen Ernährung, zählt auch regelmäßige Bewegung, wie Fahrrad fahren oder lange Spaziergänge zu deren Geheimnis. Die Weisheiten der alten Italiener klingen so simpel –  aber reichen sie auch als Rezept für ein langes Leben?

Sorgen Adé

Ein weiterer Punkt auf der Liste: Verabschieden Sie sich von Ihren Sorgen und negativen Gedanken – naja, versuchen Sie es wenigstens für einige Zeit am Tag. Denn der Gemütszustand des einzelnen hat laut der Inselbewohner einen äußerst hohen Stellenwert, wenn es um die Verlängerung der Lebenszeit geht. Mit dem eigenen Leben zufrieden sein, sich wohl- und glücklich fühlen: All das sind Teile des Puzzles. Jeder Mensch sollte nicht nur eine sinnvolle Aufgabe haben, die ihm wichtig ist und Spaß macht, sondern auch gebraucht und respektiert werden. Die Inselbewohner sind gerne in Gesellschaft und lieben es, neben ihrer eigenen Familie auch zusätzlich viel Zeit mit anderen Menschen zu verbringen. Der Zusammenhalt unter Nachbarn und Freunden wird groß geschrieben. Und auf diese Weise wird auch das Problem der Einsamkeit und Isolation aus dem Weg geschafft, das hier in Deutschland ja oftmals im Alter auftritt. Möglicherweise sollten wir uns hier einmal ein Beispiel nehmen.

Sind es die Gene?

Bereits seit 1975 suchen Forscher angestrengt nach einer Erklärung, warum die Menschen auf Okinawa gesundheitlich so viel besser aufgestellt sind, als in anderen Gegenden. Auffällig wenige Menschen leiden unter Herz-Kreislauferkrankungen. Im Gegensatz zu westlichen Ländern verfügen die alten Menschen aus Okinawa über Arterien ohne Ablagerungen und niedrige Cholesterin- und Homocystein-Werte. Auch eine Vielzahl anderer Krankheiten treten in diesem Ort vergleichsweise selten auf. All das sind Ergebnisse der „Okinawa Centenarian Study“, an der 900 Bewohner höheren Alters in den 70er- bis 90er-Jahren teilnahmen. Forscher führen diese Langlebigkeit zu circa einem Drittel auf die Gene zurück. In diesem Zusammenhang wird auch häufig die Theorie der freien Radikale diskutiert, die besagt, dass im Zuge von Stoffwechselprozessen aus molekularem Sauerstoff in Zellen sogenannte freie Radikale entstehen. Diese sollen laut des US-amerikanischen Biogerontologen Harman die Ursache des Alterungsprozesses sein. Bei Dorfbewohnern von Okinawa fanden sich jedoch auffallend niedrige Spiegel freier Radikale.

Du bist, was Du isst

Neben der Vermutung, dass ein langes Leben in den Genen liege, sollte zusätzlich erwähnt werden, dass die Menschen auf der japanischen Insel Okinawa eine äußerst bewusste Lebensweise verfolgen. Hierzu gehört, das sie kaum rauchen und nur sehr wenig Alkohl trinken. Auch die Ernährung könnte ein Indiz für die Robustheit und Vitalität der Bewohner sein. So nehmen sie beispielsweise viel Grünes zu sich und greifen insgesamt hauptsächlich zu kalorienarmer Ernährung. Neben wenig Fleisch, dafür aber viel Fisch stehen z. B. Brokkoli, Spinat, Algen oder „Gōyā“ (= eine sogenannte Bittergurke, eine tropische Pflanzenart aus der Familie der Kürbisgewächse) auf dem täglichen Ernährungsplan. Ein weiterer Tipp lautet „Hara hachi bu“. Das kommt aus dem Japanischen und bedeutet gewissermaßen: „Fülle deinen Magen nur zu 80 Prozent!“ (wörtlich: acht Teile von zehn voll). Die Devise lautet also Verzicht und Selbstkontrolle bei der Ernährung.

„Steinalt und Kerngesund“

Der Gesundheitsforscher Marcus Lauk aus Köln hat diesem Thema sogar ein Buch gewidmet – „Steinalt und Kerngesund“ lautet der Titel. Der Autor machte sich hierfür auf Reisen, um das Geheimnis der 100-Jährigen dieser Welt zu erforschen. Neben Tipps wie regelmäßige Bewegung und häufige Fastentage sammelte Marcus Lauk zahlreiche weitere Erkenntnisse über den Lebensstil der „gesündesten Menschen der Welt“. Hierzu zählt auch eine Empfehlung aus Kalifornien: Man solle 4 bis 5 Mal die Woche jeweils 30 bis 70 Gramm Nüsse essen, um dem Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Und für die, die keine Nüsse mögen: Im Buch finden sich sogar „lebensverlängernde Rezepte“, die man zuhause ganz in Ruhe ausprobieren kann. Immer getreu dem Motto „Hara hachi bu“.

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