In Fitnessstudios gehen Sie im wahrsten Sinne über Leichen – über Karteileichen. Rund 8,6 Millionen Deutsche sind laut neuester Deloitte-Studie in einem Studio angemeldet – das toppt sogar die Zahl der Mitglieder von Fußballvereinen. Weniger als die Hälfte davon sind allerdings aktiv. Woran das liegt? Weil viele erst nach der Unterschrift erkennen, dass das Studio gar nicht zu ihrem Alltag und ihren Bedürfnissen passt. Die drei Hauptgründe:

  • Die Anfahrt ist zu weit.
  • Es hat nur geöffnet, wenn man arbeitet oder sich um die Familie kümmern muss.
  • Man ist ständig von Leuten umgeben, in deren Beisein man sich nicht wohlfühlt.

„Gerade ältere Menschen fühlen sich in Studios oft nicht wohl“, sagt Michael Dapp, Fitnesstrainer in München. „Nicht, weil sie selbst zu alt wären, sondern weil viele Studios so konzipiert sind, dass sie vor allem Jüngere ansprechen.“ Man denke an laute Hintergrundmusik, Duz-Kultur und Massenansturm in der „Rush Hour“. Und nicht jeder 50-Jährige möchte – verständlicherweise – neben Studenten und Jungmanagern schwitzen.

Die gute Nachricht: Um fit zu werden (oder es zu bleiben) brauchen Sie kein Studio. „Das beste Trainingsgerät haben Sie schon bei sich“, sagt Dapp: „Ihren Körper.“ Er eignet sich ideal zu so genanntem Functional Training. Das sind komplexe, lebensnahe Übungen, die möglichst viele Muskelpartien zugleich beanspruchen. Dazu zählen beispielsweise Kniebeugen mit Zusatzgewichten, Einbein-Stand oder der „Superman“.

Die beste Übung gegen Rückenschmerzen

Der ist Dapps persönlicher Favorit und ideal für einen starken Rücken: Sie legen sich auf den Bauch und heben Arme und Beine gleichzeitig an. 20 Sekunden halten. Absenken. Drei bis vier Wiederholungen. „Das trainiert fast die komplette Körperrückseite, die bei den meisten von uns durchs ständige Sitzen verkümmert. Und ein starker Rücken ist das beste Mittel gegen Kreuzschmerzen“, sagt der Experte. Eine ideale Übung also gerade für ältere Menschen, für die Fitness vor allem Prävention bedeutet und nicht Muskelaufbau.

Die modernen Studios mit immer mehr Hightech machen uns glauben, dass es ohne aufwändige Geräte nicht mehr geht: „Dabei kann man sich auch ohne Kraftmaschinen richtig auspowern“, sagt Dapp. Das von ihm und einem Freund entwickelte Fitness-Programm „Körperstolz“ besteht aus Dutzenden entsprechender Übungen. Mehr als einen Stuhl oder ein Gummiseil brauchen Sie nie. Hier finden Sie eine Auswahl. Weitere Vorteile eines solchen Trainings: Das Verletzungsrisiko ist viel geringer. Sie können jederzeit und überall sporteln. Und selbst, wenn Sie mal nur eine Viertelstunde Zeit haben, lohnt der Aufwand. Insgesamt reichen zwei mal 45 Minuten Training pro Woche, idealerweise noch ergänzt um eine Ausdauereinheit wie Schwimmen, Joggen oder Radeln.

Individuelles Training ist Fitness fürs Gehirn

Zudem fördern Sie mit dieser Art von Training die geistige Fitness, weiß Dapp aus Erfahrung: „Es ist klasse für die Kreativität. Denn man fängt schnell an, sich eigene Übungs-Varianten auszudenken. Wenn Sie etwa eine Treppe in der Wohnung haben, nutzen Sie sie – etwa indem Sie nur mit dem Vorderfuß auf der Kante einer Stufe stehen und sich dann auf den Zehenspitzen hochdrücken.“

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