Der Frühsommer, wenn wir Menschen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen nutzen, um die umliegenden Biergärten, Parks und Waldwege zu bevölkern, das ist auch die Zeit, in der Zecken aktiv werden. Dann kriechen sie unter den schützenden Laubschichten hervor und machen sich auf die Suche nach einem passenden Wirt. Mit etwas Pech gehört man selber zu den Auserwählten und kehrt von einem im Übrigen sehr erfreulichen Ausflug mit einer Zecke zurück.

So ein Zeckenstich ist per se recht harmlos, wären da nicht die möglicherweise zu übertragenen Erkrankungen.

Die beiden häufigsten durch Zecken übertragbaren Krankheiten sind in Deutschland
die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Während die Borreliose in ganz Deutschland vorkommt, gibt es bei der FSME große regionale Schwankungen (FSME-Risikogebiete), die laufend durch das Robert Koch Institut dokumentiert und veröffentlicht werden. (http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/F/FSME/Karte_FSME.html)

Die Borreliose ist durch Antibiotika behandelbar, es besteht jedoch keine Möglichkeit der Prophylaxe durch Impfung. Umgekehrt verhält es sich bei der FSME. Für diese Krankheit, die insbesondere bei älteren Menschen einen sehr schweren Verlauf nehmen und häufiger bleibende Schäden hinterlassen kann, gibt es keine ursächliche Behandlungsmöglichkeit, es steht jedoch ein Impfstoff zur Verfügung.

In beiden Fällen sind infizierte Personen nicht ansteckend.

Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit und stellt die häufigste durch Zecken übertragbare Erkrankung in Europa dar. Der Erreger heißt Borrelia burgdorferi und kommt auf der gesamten nördlichen Hemisphäre vor. In Deutschland tragen ca. 15% der Zecken den Erreger in sich, in besonders stark betroffenen Gebieten bis zu 30% und mehr. Nach einem Zeckenstich kommt es bei ca. 5% der Betroffenen zu einer Infektion, die sich durch Auftreten von spezifischen Antikörpern im Blut nachweisen lässt und nur ca. 1% der Infizierten entwickelt tatsächlich Krankheitssymptome.
Die Angaben zu Neuerkrankungen im Jahr in Deutschland sind recht unterschiedlich und schwanken je nach Studie zwischen 100.000 und 214.000.

Gemeiner Holzbock - Zecke (Ixodes ricinus)Zecken ernähren sich von den festen Bestandteilen des aufgesogenen Blutes und geben während ihrer Mahlzeit wiederholt überschüssige Flüssigkeit aus ihrem Verdauungstrakt über ihren Stechapparat  an den Wirt zurück. Dabei kann es zur Übertragung von Krankheitserregern kommen.
Da Borrelien  im Darm, sprich in einem tiefer gelegenen Abschnitt des Verdauungstraktes der Zecke angesiedelt sind, kommt es nach einem Stich erst im Laufe der Zeit, nach ungefähr 12 Stunden, zu einer Übertragung des Bakteriums.

Die Diagnose einer Lyme-Borreliose ist oft nicht eindeutig zu treffen. So manifestiert sie sich nicht selten durch unspezifische Symptome, wie Kopf-, Glieder-, Muskel-und Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Fieber. Zahlreiche Symptome unterschiedlicher Organsysteme können auftreten, einzeln oder in Kombination zueinander.
Im Vordergrund jedoch steht die Beteiligung der Haut, des Nervensystems und der Gelenke.

Auch die zeitliche Zuordnung zu einem Zeckenstich ist nicht immer gegeben, da dieser entweder unbemerkt blieb oder die ersten Beschwerden erst nach längerer Zeit auftreten.
Selbst die labortechnischen Untersuchungen des Blutes und des Nervenwassers (bei Verdacht auf Neuro-Borreliose) sind bei Borreliose nicht immer absolut aussagekräftig.

Ein typischer Hinweis auf die Erkrankung im Anfangsstadium ist die sogenannte Wanderröte
(Erythema migrans). 1-6 Wochen nach dem Stich kommt es um die Stichstelle herum zu einer Rötung, die dann im Zentrum abblasst und sich ringförmig ausbreitet.

Im Stadium II, ungefähr 6 Monate nach Infektion, stehen neurologische Symptome (Neuroborreliose) im Vordergrund. Charakteristisch hierfür sind brennende Nervenschmerzen, insbesondere nachts bis hin zu Lähmungserscheinungen der Hirnnerven, seltener der Nerven  des Rumpfes und der Gliedmaßen. Abhängig vom befallenen Hirnnerven kann es neben einer Gesichtslähmung auch zu Schmerzen und Taubheitsgefühlen im Bereich des Gesichtes, zu Schwindel, Seh-und Hörstörungen, sowie Veränderungen des Geschmacks- und Geruchssinns kommen.

Auch das Herz kann beteiligt sein, was sich durch Rhythmusstörungen bemerkbar macht.
Im Spätstadium (Stadium III)  der Erkrankung, das Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich auftreten kann, findet man am häufigsten die Lyme- Arthritis (Gelenkentzündung), vorwiegend im Knie- und Ellbogengelenk und die sogenannte Acrodermatitis cronica atrophicans. Hierbei schwillt die Haut überwiegend an Unterarmen, Unterschenkeln und den Körperenden, wie Zehen, Finger und Nase zunächst an und verfärbt sich bläulich um dann im Verlauf immer dünner, wie Zigarettenpapier, zu werden.

Sehr selten kommt es zu einer chronischen Neuroborreliose.

Die Borreliose lässt sich durch ärztlich verordnete Antibiotika-Gabe sehr gut behandeln.
Je früher die Therapie einsetzt, desto sicherer ist die komplette Genesung!
Eine durchgemachte Borreliose stellt allerdings keine Immunität gegenüber zukünftigem Kontakt mit dem Erreger dar.

Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine virale Infektionserkrankung des Gehirns,
des Rückenmarks und der Hirnhäute und wird durch das FSME-Virus verursacht.
In Deutschland ist sie die zweithäufigste durch Zecken übertragene Krankheit.
In seltenen Fällen wurde FSME auch durch den Verzehr von Rohmilch von Ziegen und Schafen übertragen.
Seit 2001 besteht eine Meldepflicht. Holzbock Zecke (Ixodes ricinus) auf menschlicher Haut
Auch in anderen europäischen Ländern, in Russland und in Asien ist FSME verbreitet.
Das Vorkommen des Erregers ist in den betroffenen Ländern nicht homogen. So gibt es Regionen, in denen das Risiko an FSME zu erkranken signifikant höher ist als in anderen Regionen.

In Deutschland befinden sich diese Risikogebiete insbesondere im Süden(s.o.). Dort sind bis zu 5% der Zecken Virusträger, in einigen südöstlichen Landkreisen Deutschlands wurden sogar auch höhere Durchseuchungsgrade gefunden.

Da das FSME-Virus sich im Speichel der Zecke befindet und somit in einem höher gelegenen Anteil des Verdauungstraktes, erfolgt bei einem Stich eine Ansteckung in der Regel schon innerhalb der ersten Stunden. Kommt es während eines Zeckenstichs zu einer Virusübertragung auf den Menschen, so entwickeln nur ca. 33% der Infizierten Krankheitssymptome.

Die ersten Symptome treten nach ein bis zwei, maximal vier Wochen auf.
Es kommt zu grippeähnlichen  Beschwerden, wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Kopf-und Gliederschmerzen und leichtem Fieber. Diese Phase dauert etwa eine Woche und mit etwas Glück ist man danach auch wieder gesund. Ca. 10% der Infizierten erleben nach vorübergehender Besserung von einigen Tagen einen erneuten Fieberanstieg mit einer Beteiligung des zentralen Nervensystems. Hierbei ist der weitere Verlauf der Erkrankung maßgeblich abhängig von den betroffenen Strukturen.

Kommt es zu einer isolierten Hirnhautentzündung (Meningitis), so äußert sich diese in der Regel durch hohes Fieber, starke Kopf-, Rücken-und Nackenschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Lichtempfindlichkeit.

Sind Gehirn und Hirnhaut beide betroffen (Meningoenzephalitis), so kann es zusätzlich noch zu Wesensveränderungen, Lähmungen, Sprachstörungen, Krampfanfällen und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma kommen.

Bei einigen Erkrankten kommt es zusätzlich zur Beteiligung des Rückenmarks (Meningoenzephalomyelitis).  Hierbei treten dann schlaffe Lähmungen der Arm- und Beinmuskulatur, sowie des Schultergürtels auf. Auch das Sprechen und Schlucken kann beeinträchtigt sein.

Im schlimmsten Fall kann es zur Atemlähmung kommen. Dieser Zustand kann über Monate bestehen bleiben und hat insgesamt die schlechteste Prognose. Insbesondere ältere Erwachsene, vorwiegend Männer, können in bis zu einem Drittel der Fälle bleibende Schäden davon tragen.

Aber selbst nach Monaten ist eine Spontanheilung noch möglich!

Eine spezifische Behandlung der FSME gibt es nicht. So hat die Impfprophylaxe eine große Bedeutung. Die Therapie ist darauf beschränkt, die Beschwerden zu lindern. Schwere Verlaufsformen können eine intensivmedizinische Betreuung notwendig machen.
Eine durchgemachte FSME verleiht nach allen klinischen Erfahrungen eine langjährige Immunität. Da es hierzu jedoch keine ausreichenden Studien gibt, empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts, den Immunschutz wieder durch eine Impfung nach drei bis fünf Jahren aufzufrischen, sofern man sich weiterhin in einem FSME-Risikogebiet aufhält.

Was tun gegen Zecken?

Zecken findet man in Wäldern, in hohem Gras, im Gebüsch und in losem Laub.
Aber auch bei der Arbeit im heimischen Garten kann man von einer Zecke gestochen werden.

In den Monaten März bis Oktober sind Zecken aktiv. Jedoch auf Grund der Klimaerwärmung haben sich die Lebensbedingungen für Zecken verändert. So können uns während eines milden Winters, Zecken auch im Januar begegnen. Ebenso trifft man sie inzwischen in höheren Bergregionen (über 1.300 Meter) an, die bisher als sicher zeckenfrei galten.

Das Beste ist, Zeckenstiche nach Möglichkeit zu vermeiden. So sollte man bei Wanderungen durch hohes Gras oder durch Sträucher (z.B. beim Beeren sammeln) festes Schuhwerk, Strümpfe und hautbedeckende Kleidung tragen. Steckt man die Hosenbeine in die Strümpfe, bietet dies einen zusätzlichen Schutz. Auf heller Kleidung lassen sich Zecken besser erkennen.

Repellents (Zecken abweisende Mittel) können ergänzend auf Haut und Kleidung aufgetragen werden, sind in ihrer Wirkung jedoch zeitlich begrenzt.
Nach einem Aufenthalt in der Natur sollte man sich zunächst duschen, um Zecken, die noch am Körper krabbeln und sich noch nicht festgehakt haben, abzuspülen.
Dann wird der Körper eingehend inspizier und dabei sollte man wirklich gründlich vorgehen.
Zecken stechen grundsätzlich an jeder Körperstelle, haben allerdings gewisse Vorlieben.
So findet man sie häufig in der Achselhöhle, sowie in den Kniekehlen. Ebenso in der Leiste und im Genitalbereich nisten sie sich gerne ein. Hinter, ja selbst in den Ohren, bei feinerem Haar auch auf der Kopfhaut sollte man nachschauen. Generell bevorzugen Zecken dünne, gut durchblutete Hautregionen.

Findet man eine Zecke, so sollte diese so bald wie möglich entfernt werden. Dies geschieht am besten, indem man sie unmittelbar über der Haut mit einer spitzen Pinzette von der Seite  greift und vorsichtig herauszieht. Dabei ist darauf zu achten, dass man nicht ihren Körper quetscht, denn dadurch steigt das Risiko der Keimübertragung. (https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/FSME/Zecken/Zecken.html)
Bewährt haben sich auch handelsübliche Zeckenkarten oder Zeckenhaken, die man leicht mit sich führen kann.

Das Abtöten der Zecke durch Klebstoff, Öl oder Nagellack solange sie noch in der Haut steckt, sollte man lassen, da auch hierbei durch die ausgelöste Stresssituation des Tieres es zu einer gesteigerten Keimübertragung kommen kann.

Wichtig ist, die Zecke als Ganzes zu entfernen. Gelingt dies nicht und bleibt noch ein Teil des Stechapparates in der Haut, werden hierdurch zwar keine FSME-oder Borreliose-Erreger mehr übertragen, die Stelle kann sich aber durch Verunreinigungen entzünden.
Die Stichstelle sollte im Anschluss desinfiziert  und über mehrere Wochen beobachtet werden.

Hierfür kann man sie mit einem Kugelschreiber markieren.

Das zeitige Entfernen der Zecke vermindert das Risiko einer Infektion mit Borreliose erheblich, weniger aber das  einer Infektion mit FSME, da das Virus in der Regel schon zu Beginn der Zeckenmahlzeit übertragen wird.

Eine FSME-Impfung empfiehlt die ständige Impfkommission am Robert Koch Institut
(STIKO) all denjenigen, die sich in einem  FSME-Risikogebiet aufhalten (http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/F/FSME/Karte_FSME.html), entweder dort leben oder eine Reise dorthin planen, auch außerhalb Deutschlands. (https://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/SicherheitshinweiseA-Z-Laenderauswahlseite_node.html)

Um den vollen Impfschutz zu erhalten, sind in der Regel drei Impfungen notwendig, die je nach Impfstoff innerhalb eines Zeitraumes von 5-12 Monaten bzw. 9-12 Monaten verabreicht werden.

Es besteht auch die Möglichkeit einer Schnellimpfung, z.B. bei einer anstehenden Reise in ein Risikogebiet. Diese erfolgt innerhalb von 2-3 Wochen.  Hierbei besteht jedoch nur ein Impfschutz von ca. einem Jahr, während die Standardimpfung erst nach drei Jahren aufgefrischt werden muss.

Bedenkt man die Schwere der FSME-Erkrankung im Falle eines ungünstigen Verlaufs, ist eine Impfung gemäß der Richtlinien des Robert Koch Instituts sehr ratsam!

 

Unsere Gast-Autorin, Elisabeth von Raussendorff, ist Ärztin und lebt mit ihrer Familie in einer oberbayerischen FSME-Risiko-Region.

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