Yoga liegt absolut im Trend. Die Praxis der „bewegten Meditation“ mit indischen Wurzeln wird hierzulande inzwischen von 2,6 Millionen Entspannungswilligen und Gesundheitsbewussten ausgeübt. Das geht aus einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung von 2014 hervor. Weitere 9,6 Millionen Deutsche haben bereits einmal Yoga ausprobiert und 12,5 Millionen können sich vorstellen, diese Bewegungsform innerhalb des kommenden Jahres einmal zu versuchen. Und nicht nur das, im Juni diesen Jahres haben 192 Nationen den ersten Welt-Yoga-Tag gefeiert, der von der UN auf Anregung Indiens hin eingeführt wurde.

Hierzulande haftet Yoga in der allgemeinen Wahrnehmung immer noch etwas leicht Esoterisches an. Nicht zuletzt aufgrund der häufig wolkigen Tonspur derjenigen, die die frohe Botschaft der bewegten Mediation verkünden. Außerdem sehen viele den immer sichtbarer werdenden Hype und das damit verbundene Geschäftemachen im gleichen Licht wie den Boom um Wässerchen und Kügelchen, in denen keine Moleküle vorzufinden sind.

Aber spätestens seitdem Fürsprecher aus gänzlich nicht-esoterischen Milieus den Nutzwert der Methode bekennend in Erscheinung treten, wandelt sich das Image des Yoga. Der Apple Gründer Steve Jobs, RWE-Chef Peter Terium und Erlebnis-Unternehmer Jochen Schweizer (Erlebnis wie in Baggerfahren und Hubschrauberfliegen) sind nur wenige Beispiele einer Leistungselite aus den unterschiedlichsten Bereichen, welche Yoga aus der Wahrnehmungsecke eines belächelten Frauenhobbys hervorholen – zurecht.

Die erste wissenschaftliche Untersuchung der Wirkung von Yoga wurde bereits in den 1970er Jahren durchgeführt. Aber erst in den letzten 10 Jahren wurde auf diesem Gebiet motiviert durch die interessanten Hinweise der frühen Studien und das wachsende Interesse von Gesundheitsorganisationen und Krankenkassen intensiver geforscht. Inzwischen erscheinen ca. 70 Studien jährlich, wovon jede dritte aus Indien und jede vierte aus den USA stammt. In Europa ist die Forschung auf diesem Gebiet noch im Wachstum.

Die Erkenntnis: Yoga fördert auf vielfältige Weise Gesundheit und Wohlbefinden, sogar im Zusammenhang mit Krebserkrankungen.

1. Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Für den mit am meist untersuchten Bereich der Herz-Kreislauferkrankungen liegt bereits eine Metastudie vor, welche die Ergebnisse von 37 Einzelstudien mit insgesamt 2768 Teilnehmern umfasst. Erstaunlicherweise zeigt sich die regelmäßige Praxis von Yogaübungen als genauso effektiv bei der Reduktion von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Ausdauersport in Form von Joggen oder Radfahren. Im Vergleich zu Probanden ohne jegliche Präventivmaßnahmen verbessert sich der Body Mass Index im Schnitt um 0,77kg/m2, der systolische Blutdruck verringert sich um 5.21 mmHg und das LDL, das „schlechte“ Cholesterin um 12,14 mg/dl. Auch das HDL Cholesterin (3,2 mg/dl) und Blutfette (-25,89 mg/dl) sowie die Herzrate (-5,27 Schläge/Min.) verbessern sich. Ein signifikanter Unterschied in der Verringerung der Risikofaktoren zwischen Yogis und Ausdauersportlern ist nicht feststellbar.

Der große Vorteil von Yoga besteht darin, dass mit dieser Praxis auch Menschen, die sich aufgrund von Rücken-, Gelenkproblemen oder anderen Einschränkungen vom Joggen oder anderem Ausdauersport fernhalten, Ihre Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen ebenso erfolgreich verringern können.

2. Arthritis

Diese unheilbare Krankheit führt bei 90% der Betroffenen zu Aktivitätsgewohnheiten unterhalb des Levels, der im Umgang mit diesem Krankheitsbild empfohlen wird. Meist aufgrund von Schmerzen, aber häufig auch, weil Betroffene nicht wissen, wie sie am besten aktiv bleiben können. Von geschulten, mit dem Krankheitsbild vertrauten Trainern vermitteltes Yoga kann hier Linderung verschaffen. Eine Studie der John Hopkins Medical School fand eine etwa 20-prozentige Verbesserung von Schmerz- und Energielevel, Stimmung und physischer Konstitution Betroffener – inklusive der Fähigkeit, physische Aufgaben daheim oder am Arbeitsplatz zu verrichten. Die Teilnehmer der Studie litten an den beiden am häufigsten vorkommenden Formen der Osteoarthritis im Knie und der rheumatoiden Arthritis.

3. Chronische Nacken- und Rückenschmerzen

Die positive Wirkung von Yoga bei chronischen Nacken- und Rückenschmerzen ist schon lange bekannt und auch in der Praxis akzeptiert. Studien legen nahe, dass die regelmäßige Yogapraxis sowohl eine Kräftigung wichtiger Muskeln bewirkt als auch die Lösung von Verspannungen fördert.

4. Kognitive Leistung

Wissenschaftler der Universität Gießen, der Charité in Berlin und verschiedener Universitäten in den USA konnten zeigen, dass die kognitive Informationsverarbeitung bei Yoga-Übenden (und Meditierenden) effizienter verläuft als bei anderen Personen mit gleicher Bildung und einem vergleichbar gesunden Lebensstil. Dazu wurde die Hirnaktivität der Studienteilnehmer im Ruhezustand mittels der Magnetresonanztomographie gemessen und der Austausch zwischen den 116 unterschiedlichen, an der Informationsverarbeitung beteiligten Hirnregionen analysiert. Meditierende und Yoga-Übende hatten insgesamt einen effizienteren Informationsfluss als die Kontrollgruppe. Bei ihnen wurden die Informationen zwischen verschiedenen Hirnregionen besser verarbeitet und eingeordnet.

Diese vernetzte Informationsverarbeitung ist die physische Basis der fluiden Intelligenz, welche für das Lösen neuartiger Aufgaben verantwortlich ist und ab etwa 25 Jahren mit zunehmendem Alter natürlicherweise abnimmt. Die Ergebnisse der Forscher legen nahe, dass dieser Prozess durch Yoga (und Meditation) verlangsamt werden kann.

5. Stimmung

Wenn Yogis von Gelassenheit und Stimmungsaufhellung berichten liegt dies nicht daran, dass nur die sowieso besonders Relaxten und Gutgelaunten unter uns sich für Yoga interessieren. Blutanalysen von Yoga-Übenden vor und nach der Übungsstunde haben gezeigt, dass im Gehirn bestimmte Neurotransmitter vermehrt ausgeschüttet oder verringert werden. Das Stresshormon Cortisol geht zurück und das Level an γ-Aminobuttersäure, auch GABA bezeichnet, erhöht sich. Ein geringer GABA Spiegel ist bekannt im Zusammenhang mit Angst- und depressiven Störungen. Die Wirkweise vieler Antidepressiva fußt auf einer Erhöhung des GABA-Level.

Für die verbesserte Stimmung gibt es somit objektive Beweise. Eine Vielzahl an Studien hat die naheliegende Vermutung bestätigt, dass Yoga die Lebensqualität von Krebspatienten oder Patienten chronischer Krankheiten, die häufig depressive Verstimmungen hervorrufen, maßgeblich verbessern kann.

6. Gene

Das Altern an sich und altersbedingte Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs wirken sich negativ auf unsere Chromosomen aus. Sie verkürzen deren „Schutzkappen“, die sogenannten Telomere. Verkürzte Telomere sorgen für eine schnellere Alterung und ein schnelleres Absterben von Zellen. Umgekehrt erhöhen längere Telomere die Langlebigkeit von Zellen.

Forscher der Universität Calgary, Alberta haben herausgefunden, dass Yoga (und Meditation) die Länge der Telomere bei Brustkrebs-Patienten erhalten kann. Alle Patienten hatten emotional belastende Krebs-Behandlungen hinter sich und wurden vor und nach der Studie auf ihre Telomer Länge hin getestet. Eine Hälfte der Teilnehmer besuchte 3 Monate lang wöchentlich eine 90-minütige Gruppentherapie, die andere übte wöchentlich 90 Minuten Yoga mit einem Trainer und kürzere Einheiten allein daheim. Die Bestimmung der Telomerlänge aller Patienten nach dem 3-monatigen Programm ergab eine deutlich verringerte Länge bei den Probanden der Gruppentherapie, während die Telomelänge der Yoga-Übenden erhalten geblieben war.

Dieser Befund ist besonders brisant, da verkürzte Telomere bei der Enstehung sehr vieler Leiden (auch Krebs) als Mitursache gehandelt werden.

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