Nicht nur die Enkelkinder hängen an den Lippen der Großeltern, wenn diese Geschichten aus den unterschiedlichen Stationen ihres Lebens erzählen. Ältere Menschen können auf spannende Lebensgeschichten, lustige und traurige Anekdoten sowie einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen, der für jeden aufmerksamen Zuhörer eine große Bereicherung darstellen kann.

Ebenso verspürt manch einer, der auf sein Leben zurückblickt, den Wunsch, seine Geschichte aufzuschreiben und seine Erfahrungen an nächste Generationen weiterzugeben.

Durch Schreiben den roten Faden im Leben finden

Das Schreiben einer Autobiographie kann eine wunderbare Freizeitbeschäftigung sein, um andere an seinem Leben teilhaben zu lassen. Gleichzeitig hilft es dabei, eigene Stationen und Entscheidungen im Leben zu reflektieren, unliebsame Erlebnisse zu verarbeiten oder freudige Begebenheiten ins Bewusstsein zurückzurufen und dadurch einen neuen Blick auf das eigene Leben zu gewinnen. „Schreiben hat auch eine heilende Wirkung“,  meint Herrad Schenk, Autorin des Buchs „Die Heilkraft des Schreibens. Wie man vom eigenen Leben erzählt“ im Interview mit Wolfgang Tischer von literaturcafe.de. In Schreibkursen lehrt sie, persönliche Erinnerungen zu Papier zu bringen.

Schreiben hält zudem geistig fit, das Langzeitgedächtnis wird aktiviert und das Konzentrationsvermögen gefördert. Gleichzeitig erfordert es Durchhaltevermögen und Geduld. Etwa wenn sich die Erinnerungen so gar nicht einstellen wollen oder die Angst vor dem weißen Blatt oder dem leeren Computerbildschirm den Schreibfluss lähmt.

Einzigartige Geschichten zu Papier bringen

Diese Angst kennen selbst erfahrene Schreiber, deren Rat häufig lautet: einfach loslegen. An Material sollte es jedenfalls nach vielen Lebensjahrzehnten nicht fehlen. Alte Tagebuchaufzeichnungen, Fotos, gesammelte Gegenstände wie auch Gespräche mit alten Freunden oder Verwandten können helfen, Erinnerungen aufleben zu lassen und Lücken zu füllen. Wenn die ersten Sätze geschrieben sind und sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen, ist der Knoten meist schon geplatzt. Rechtschreibung und Stil sind beim Ideen sammeln noch nicht so wichtig, daran kann später immer noch gefeilt werden.

Zu Beginn hilft es, sich genauere Vorstellungen von der Form und dem Aufbau der Geschichte zu machen. Als Orientierungshilfe kann eine grobe Gliederung dienen, die beim Sammeln der Erinnerungen erstellt wird. Eine weitere Überlegung könnte sein, welche Form für die Darstellung der Erinnerung gewählt wird. Soll die Lebensgeschichte von Beginn an erzählt werden oder nur eine bestimmte Epoche? Fällt die Wahl auf eine autobiographische Romanform, bei der auch fiktive Elemente eingefügt werden können, oder wird ein persönliches geschichtliches Dokument mit Bildern und Briefen gespickt? Je detaillierter die Vorüberlegungen sind, desto leichter fällt es, sich nicht zu verzetteln und das Ziel im Auge zu behalten.

Die nüchterne Darstellung eines Lebenslaufs wird auf den Leser eher langweilig wirken. Bewegend und spannend sind dagegen persönliche Empfindungen und Eindrücke, Wünsche oder Träume, Höhen, genauso wie Tiefen, aus denen man sich im Leben herausgekämpft hat.

Gemeinsam an den Geschichten feilen

Für diejenigen, denen das Schreiben einer Biographie ganz allein am Schreibtisch zu einsam ist, besteht die Möglichkeit, sich einer Schreibgruppe anzuschließen oder einen Kurs für kreatives Schreiben zu besuchen. Immer mehr Biographie-Werkstätten und Schreibtrainer bieten diese Möglichkeit an. „Eine Schreibgruppe zur Begleitung des eigenen Schreibens ist tatsächlich etwas sehr Wertvolles. Leute, also Laien, die im stillen Kämmerlein vor sich hinschreiben, versacken oft. Ein bisschen Rückmeldung braucht man schon“, hat Herrad Schenk beobachtet. Bei der Auswahl der Gruppe sei ihrer Ansicht nach weniger wichtig, dass die Teilnehmer alle das gleiche Niveau hätten, als dass ein gutes Gruppenklima und eine konstruktive Feedbackkultur herrsche. Die Kursleiter achten darauf, dass die Besprechung der Texte einen Mehrwert für alle Teilnehmer bietet. Sie arbeiten mit Assoziationstechniken wie Mind-Mapping oder Clustering, um Erinnerungen hervorzuholen und geben hilfreiche Tipps, um die eigene Geschichte spannend zu gestalten und ihren Erinnerungen eine lesbare Gestalt zu geben.

Wer seine Erinnerungen sammeln und veröffentlichen, aber nicht selbst schreiben möchte, kann sich auch dabei helfen lassen. Die Unterstützung durch Ghostwriter beim Schreiben einer Autobiographie ist mit dem nötigen Kleingeld längst nicht mehr nur Politikern oder Künstlern vorbehalten. Einige kommerzielle Anbieter haben sich auf diese Dienstleistung spezialisiert. Sie stellen beispielsweise ein Team aus fachkundigen Autoren, Biografen oder Redakteuren zusammen, das dann aus überlieferten Erzählungen, Fotos und anderen Dokumenten eine individuelle Biographie erarbeitet. Auch wer es bevorzugt, seine Erinnerungen mit einem Diktiergerät oder -software aufzunehmen, kann professionelle Hilfe beim Abtippen der Geschichten in Anspruch nehmen.

Vorsicht bei Verlagsangeboten

Einige Autoren hegen den Wunsch, ihre Memoiren nicht nur ihrer Familie und Freunden zur Verfügung zu stellen, sondern einen breiteren Leserkreis zu erreichen. Diese schauen sich möglicherweise nach einem Verlag um. Dabei rät Herrad Schenk zur Vorsicht. Zwar böten einige Verlage diese Dienstleistung an, doch häufig beziehe sich das Angebot lediglich auf den Druck der Bücher. Damit diese aber auch in den Buchhandlungen landeten, sei eine gezielte Vermarktung notwendig, die sich für die Verlage in den seltensten Fällen lohne. Sie rät dazu, sich die Geschäftsbedingungen der Verlagshäuser genau durchzulesen und sich dann in der nächsten Druckerei ein Angebot, beispielsweise für eine Auflage von 300 Stück, machen zu lassen. „Wenn Sie feststellen, dass der Verlag mehr Zuschuss von Ihnen nimmt als die Druckerei, dann lassen Sie die Finger davon.“

Zum Weiterlesen:

  • Über unterschiedliche Motivationen für autobiografisches Schreiben und die verschiedenen Formen lesen Sie hier.
  • Konkrete Anregungen dazu, wie Sie in das Erzählen vom eigenen Leben einsteigen können, finden Sie hier.
  • Tipps dafür, wie Sie Ihre Geschichte zu Papier bringen, finden Sie hier.

 

„Ich möchte so gerne schreiben“. Beitrag von Ursula Kraemer.

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