Eines Tages, Mitte der 80er Jahre, hatte der amerikanische Architekt Ronald L. Mace eine zündende Idee: Er wollte Produkte und Räume erschaffen, die für möglichst viele Menschen in den unterschiedlichsten Situationen zugänglich sind. Für einen mühelosen Gebrauch des Produkts sollte es keine Rolle spielen, wie alt die jeweiligen Nutzer sind, woher sie kommen oder was ihre Kenntnisse und Fähigkeiten sind. Die Gegenstände sollten so konzipiert sein, dass auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen keinerlei Probleme haben, diese zu verwenden. Neben größtmöglicher Flexibilität, geringer Fehlertoleranz und intuitiver Nutzbarkeit legte der Designer auch großen Wert auf eine anspruchsvolle Ästhetik. Am Ende gab Mace seiner Vision noch einen passenden Namen: „Universal Design“.

Das Problem der fehlenden universellen Nutzbarkeit

Die damalige Vision von Ron Mace ist heute wieder in aller Munde. Zum einen ist schon alleine aufgrund des demographischen Wandels eine universellere Produktpalette nützlich und sinnvoll. Zum anderen werden wir mit dem Fehlen von universellen Produkten und Dienstleistungen tagtäglich in unserem Alltag konfrontiert: So stehen Verbraucher z.B. beim Kauf von Küchenhelfern regelmäßig vor multioptionalen Wahlmöglichkeiten. Da ist das normale Küchenmesser für die Eltern, das kleine, abgestumpfte Schneidemesser für die Kinder und zu guter Letzt noch das ergonomisch geformte Schneidewerkzeug für die Großeltern. Am Ende sammeln sich mehrere Dinge zuhause an, die eigentlich allesamt denselben Zweck erfüllen. Die spezifische Ausrichtung belastet nicht nur den Geldbeutel, es entstehen auch große, platzraubende Anhäufungen in Haushalt und Garten. Das Konzept des „Universal Design“ soll genau diese Probleme in Zukunft vermeiden und wird bereits von vielen Firmen verfolgt. So z.B. auch von dem kalifornischen Technologieunternehmen Apple:

Die beste Technologie ist die, die alle Menschen nutzen können, auch diejenigen mit eingeschränkten Fähigkeiten. Um zu arbeiten, kreativ zu sein, zu kommunizieren, in Form zu bleiben oder Spaß zu haben. Wir entwickeln also keine Produkte nur für bestimmte oder die meisten Menschen. Wir entwickeln sie für jeden Einzelnen. (Apple)

„Universal Design“ und „Design für Alle“: Der Unterschied

Neben Universal Design gibt es auch noch das europäische Pendant namens „Design für Alle“. Beide Konzepte folgen speziellen Verfahren, mit denen sich Produkte, Dienstleistungen und Umgebungen auf eine größtmögliche Zielgruppe ausrichten lassen. Die beiden Konzepte unterscheiden sich jedoch teilweise: So beinhalten die Prinzipien des amerikanischen Konzepts „Universal Design“ z.B. einheitliche Anforderungen, die für alle Produkte, Dienstleistungen und Umwelten gelten. Das europäische Konzept „Design für Alle“ möchte hingegen unterschiedliche Gruppen von Menschen mit einbeziehen, dabei aber die Individualität des Einzelnen erhalten. Die Prinzipen beinhalten eine Auswahl mehrerer Möglichkeiten, die zur Erreichung des Ziels herangezogen werden können. Dabei wird überwiegend auf Basis sozialem Engagements gehandelt.

Die 7 Gebote des Universal Design

Ein vielseitig nutzbarer Gegenstand ist nicht automatisch gleich ein Universal-Design-Produkt. Um allen Anforderungen und Prinzipien gerecht zu werden, muss er zunächst in sieben Kategorien bestehen. Diese Prinzipien sind sozusagen eine Checkliste, anhand derer die Produktentwürfe auf ihre Vollständigkeit geprüft werden können. Aber nicht nur Designern möchte man hiermit einen Leitfaden an die Hand geben, auch für Verbraucher soll eine möglichst hohe Transparenz hergestellt werden. Zu den Prinzipien zählen:

  • Breite Nutzbarkeit
  • Flexibilität in der Benutzung
  • Einfache und intuitive Benutzung
  • Sensorisch wahrnehmbare Information
  • Fehlertoleranz
  • Niedriger körperlicher Aufwand
  • Größe und Platz für Zugang und Benutzung

Die genaue Beschreibung dieser Prinzipien finden Sie beispielsweise auf der Seite der Universität Hagen.

Der Universal Design Award für zeitlose Produkte

Regelmäßig werden Architekten, Gründer, Design-Studenten und andere schlaue Köpfe für Ihre grandiosen Produktentwürfe und -ideen mit dem „Universal Design Award“ ausgezeichnet. Einer davon war der 1984 geborene und in Duisburg aufgewachsene Björn Kwapp. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Tischler, schließlich entschied er sich noch zu einem Studium an der Akademie Gestaltung im Handwerk Münster. Bereits im Jahr 2012, kurz nach Abschluss seines Studiums, gelang ihm mit der Wäscheklammer „becco“ ein kleines Meisterstück. Noch im selben Jahr wurde er hierfür mit dem besagten Award ausgezeichnet.

Quelle: www.bjoernkwapp.de

Die Wäscheklammer kann von vielen Menschen ohne Anpassung problemlos genutzt werden. Ein mühevolles Zusammendrücken der Schenkel ist bei der Wäscheklammer nicht notwendig, da sie ganz einfach aufgesteckt werden kann. So können auch Menschen mit kraftlosen Fingern sie ganz einfach benutzen. Die kreisrunde Öffnung ermöglicht eine noch flexiblere Handhabung. Nicht umsonst preisgekrönt!

Universelles Design: Weitere Produktbeispiele

1Universeller Hocker „OneLeg“

Der universelle Hocker von OneLeg: Rückenschonend und vielseitig einsetzbar (erhältlich bei selbstwohnen, 42,90 €).

2Universeller Hocker von Hailo

Der Hocker besticht mit klaren Linien, reduziertem, zeitlosem Design und hoher Funktionalität und passt sich der jeweiligen Situation an. Auch als Beistelltisch und Tritthocker nutzbar (erhältlich bei selbstwohnen, 229,90 €).

 

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